Mit (vielen) Höhen und (nur wenigen) Tiefen: Der Rückblick auf die Aufstiegssaison 2022/23
Wo soll man nur beginnen? Wir tun es bei den Fakten: Die erste Mannschaft des FC Oetwil-Geroldswil steigt zum ersten Mal seit der Vereinsgründung im Jahre 1982 in die 2. Liga auf. Das Team des Trainerduos Mustafi sammelt 51 Punkte und übertrumpft so die ärgsten Konkurrenten aus Siebnen und Wädenswil. Schauen wir uns an, wie diese 51 Punkte gesammelt wurden.
Nur wenige können sich wahrscheinlich noch daran erinnern, wie die Mannschaft in der Kabine der Sportanlage Buchlern sass und man ganz leise aus einer Ecke hören konnte: „Das ischs denn wohl scho wieder gsi mitem Ufstieg“. Gerade hatte das Fanionteam des FCOG auswärts gegen den FC United Zürich mit 3:2 verloren und musste so bereits die zweite Pflichtspiel-Niederlage der Saison hinnehmen. Es mag nach dieser atemberaubenden Saison in Vergessenheit geraten sein, doch der Start in dieses Fussballjahr misslang den Limmattalern gründlich: Im ersten Pflichtspiel mit dem neuen Trainerduo an der Seitenlinie verlor man im Cup das Derby gegen den ewigen Rivalen Engstringen mit 5:3. Im Nachhinein betrachtet kann man wohl sagen, dass dies die mit Abstand schlechteste Leistung der Saison war. Hätte nach dieser Blamage jemand vom Aufstieg gesprochen, man hätte ihn wohl für verrückt erklärt. Auch der Start in die Meisterschaft verlief alles andere als wunschgemäss: Nach einem Last-Minute-Unentschieden in Affoltern, einem 5:1-Erfolg gegen den Aufsteiger Bosna und der bereits erwähnten Niederlage stand man nach drei Spielen nur mit vier mickrigen Pünktchen da. Es sah also alles andere als rosig aus an diesem Abend auf der Stadtzürcher Fussballanlage, noch konnte ja niemand wissen, dass dies die letzte Pflichtspielniederlage der ganzen Saison gewesen sein sollte.
Was nach dem Saisonauftakt folgte, kann man wohl einen Lauf nennen: Von den restlichen acht Spielen der Hinrunde gewann der FCOG deren sieben und spielte noch einmal Unentschieden. Besonders im Spiel gegen den FC Red Star ZH zeigte die Mannschaft ihr neues, kämpferisches Gesicht: Nach einer schwachen ersten Halbzeit ging man mit einem 0:1-Rückstand in die Pause. Doch in der zweiten Halbzeit überrollte man den Gegner komplett, schoss fünf Tore und gewann das Spiel. Diese Comeback Qualitäten werden wir im Verlauf dieser Spielzeit noch öfter zu sehen bekommen. Nach diesem fulminanten Sieg stand das erste Highlight an: Das Heimspiel gegen den FC Wädenswil, den vermeintlichen Aufstiegsfavoriten. Die Wädenswiler hatten den Aufstieg in der Saison 21/22 um einen mickrigen Punkt verpasst, hatten die Gruppe zusammen mit dem FC Horgen nach Belieben dominiert und konnten unter anderem einen 7:1-Sieg gegen den FCOG einfahren. Mit dem 2:0-Sieg konnten sich die Mannen aus dem Werd nicht nur für diese Niederlage revanchieren, sondern meldeten endgültig auch ihre Aufstiegsambitionen an.
Beim anschliessenden 2:1-Sieg in Wollerau zeigten die Limmattaler erneut, dass sie mit Druck und Rückschlägen umgehen können: Durch zwei ganz späte Tore in der 90. und 92. Minute konnte das Spiel noch gedreht und gewonnen werden, ein wichtiger Sieg, um das Momentum aufrechtzuerhalten. Nach Siegen gegen den FC Tuggen 2 (3:0 Forfait) und den FC Lachen/Altendorf 2 (4:2) stand das Spiel um den Herbstmeistertitel gegen den SC Siebnen an. Die Mannschaft von Trainer Adnan Mustafi hatte zwar mehr Spielanteile und die besseren Chancen, konnte jedoch nicht reüssieren. Die beiden Teams trennten sich Unentschieden, was dem FCOG in die Karten spielte. Eine Woche später konnte man sich den Herbstmeistertitel mit einem 3:0-Sieg in Freienbach sichern.
Bereits dieser Herbstmeistertitel durfte als Überraschung bezeichnet werden, wirklich mit dem FCOG gerechnet hatte niemand. Die Situation an der Tabellenspitze war aber durchaus eng, die ersten drei Teams trennten nur vier Punkte. Ein guter Start in die Rückrunde war also eminent wichtig, dieser gelang dem Fanionteam mit Siegen gegen den FC Affoltern a/A (4:1) und den FC Bosna Zürich (2:0). Doch dann folgte die erste Baisse seit dem holprigen Saisonstart: Gegen den FC United Zürich und Centro Lusitano, beide im Tabellenkeller zu finden, lauteten die Ergebnisse 0:0 und 2:2. Dabei war das Unentschieden gegen die portugiesisch geprägte Mannschaft auch noch äusserst glücklich zustande gekommen: Der Ausgleich fiel erst in der 96. Minute durch einen Penalty und der FCOG konnte gerade noch einen Punkt retten. Ein vielleicht entscheidendes Tor, wenn man bedenkt, dass die Limmattaler nun am Ende der Saison genau diesen einen Punkt mehr auf dem Konto haben als der SC Siebnen.
Nach diesen beiden Enttäuschungen kam natürlich die Frage auf: Würde die Mannschaft jetzt den Tritt und den Anschluss im Aufstiegsrennen verlieren? Die Antwort auf diese Frage hätte deutlicher nicht sein können: Gleich mit 7:0 schickte man den FC Red Star ZH nachhause. Ein überragender Sieg zu einem enorm wichtigen Zeitpunkt, mit dem man sich just vor dem Spitzenkampf gegen den FC Wädenswil den Frust von der Seele schiessen und sich das nötige Selbstvertrauen zurückholen konnte. Dann ging es am 6. Mai also nach Wädenswil, zurück an den Ort, an dem man vor ziemlich genau einem Jahr mit 1:7 regelrecht vermöbelt worden war. Nun sahen die Vorzeichen jedoch gänzlich anders aus und die Mannen aus dem Werd wollten Rache nehmen. Nach einem nervenaufreibenden, spannenden und höchst emotionalen Spiel konnte der FCOG reüssieren. Wieder brauchte es dafür ein Tor in der späten Nachspielzeit: nach 2:0-Führung musste man noch den Ausgleich hinnehmen, ehe in der 93. Minute das Siegtor erzielt werden konnte. Ein weiterer unglaublicher und viel umjubelter Sieg.
Von nun an war klar: Der SC Siebnen und der FCOG würden den Aufsteiger im vorletzten Saisonspiel wohl unter sich ausmachen. Es galt also, in den drei dazwischenliegenden Spielen möglichst keine Punkte liegen zu lassen. Doch bereits im ersten dieser drei Spiele stand das Team des Trainerduos Mustafi mit dem Rücken zur Wand: 0:2-Rückstand zur Pause gegen den FC Wollerau im heimischen Werd. Doch wie schon so oft konnten die Comeback Qualitäten ausgespielt werden: In der 75. Minute fiel der Ausgleich zum 2:2, trotz guten Möglichkeiten wollte das Siegtor aber nicht mehr gelingen. Mit diesem Unentschieden musste man den SC Siebnen wieder vorbeiziehen lassen, gewann die folgenden Spiele gegen Tuggen (1:0) und Lachen/Altendorf (2:0) jedoch mehr oder weniger souverän und erarbeitete sich selbst die Möglichkeit, in Siebnen um den Aufstieg zu spielen.
Dann war es so weit, am 10. Juni reiste man in den Kanton Schwyz, um sich mit dem ärgsten Konkurrenten der Saison zu messen. Von Einlaufkindern über Transparente bis zu einer Fankurve, die Kulisse war grossartig, zudem standen sich die beiden besten Teams der 3. Liga Gruppe 1 gegenüber. Der SC Siebnen ging mit einem Punkt Vorsprung in die Begegnung, hätte mit einem Sieg also den Aufstieg klarmachen können, während der FCOG sich mit einem Sieg alle Vorteile hätte zurückholen können. Doch es kam weder zu einer Aufstiegsfeier noch zu einem Oetwiler Jubel, das Spiel endete wie bereits in der Hinrunde mit 1:1. Das letzte Saisonspiel musste also entscheiden.
Eins war klar: Der 18. Juni würde in die Geschichte eingehen. Es musste nur noch geklärt werden, ob dies in einer Gemeinde des Kantons Schwyz oder des Kantons Zürich der Fall sein würde. Mit einem Sieg würde der SC Siebnen nächstes Jahr in der zweiten Liga spielen, doch bei einem Punktverlust könnte der FCOG profitieren. Die Entscheidung lag für die Limmattaler also zu einem gewissen Teil auch in den Händen des Fussballgotts. Und zum grossen Glück war dieser Fussballgott am vergangenen Sonntag ein Zürcher: Affoltern am Albis luchste dem SC Siebnen ein Unentschieden ab, der FCOG gewann gegen Freienbach, der Aufstieg war perfekt. Die Freude war grenzenlos, die darauffolgenden Feierlichkeiten nahmen kein Ende und sind sicher mit ein Grund, warum der Autor dieses Textes nicht mehr in der Lage war, einen Matchbericht zu diesem historischen Sieg zu schreiben.
Die Sensation ist also geschafft, im Werd werden ab nächster Saison zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte Linienrichter zu gegen sein. Ein riesiges Dankeschön an den ganzen Verein für die Unterstützung und ein noch grösserer Dank an die beiden Trainer Adnan und Emra Mustafi. Sie haben es in ihrer ersten Saison geschafft, aus einer Fussballmannschaft eine verschworene Einheit zu bilden, die sich durch nichts aus der Ruhe bringen liess und ihr Ding bis zum Schluss durchzog. Aus Mannschaftskollegen wurden Freunde, aus Spielern Legenden und aus einem kleinen Dorfverein ein regionales Spitzenteam. Wie es am Ende einer Saison so ist, wird es Veränderungen im Kader geben, wobei eine speziell erwähnt werden muss: Mit Mike Wettstein verlässt der wohl dekorierteste Spieler der Geschichte die erste Mannschaft des FCOG in Richtung Senioren. 19 Jahre und 435 Spiele hat er miterlebt. Wir können Mike nicht genug für seinen Einsatz danken und sind umso glücklicher, konnten wir ihm zum Ende seiner Karriere diesen Aufstieg widmen.
Ich bedanke mich herzlich bei allen, die meine Matchberichte jeweils lesen und bin sehr dankbar für das äusserst positive Feedback, das ich erhalten habe. Die nächste Saison wird sicher nicht einfach, wir werden jedoch alles dafür tun, die Klasse halten zu können. Seien Sie auch nächste Saison dabei, wenn der FCOG im Werd und in der Ferne um Punkte kämpft, wir freuen uns sehr über jegliche Unterstützung! Vamos Geri!